Women in Graphic Design

Print · 19. April 2012

Mädchen können besser malen, basteln und mit der Schere umgehen. Ein Vorurteil sicherlich, aber auch eines, das der eine oder die andere in der eigenen Kindheit und Jugend bestätigt gefunden hat. Fasst man diese profan beschriebenen Tätigkeiten mal spaßeshalber gesammelt als Formgebung und Gestaltung auf, dann wäre das weibliche Geschlecht ja auf wundersame Art bevorteilt oder mit einem Vorsprung bewaffnet. Die Realität aber sieht spätestens nach Ausbildung und Studium ganz anders aus. In der Designbranche, genauer im Bereich Grafik Design, herrscht besonders in der öffentlichen Wahrnehmung ein eklatantes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern.

Seit den Anfängen der Professionalisierung haben Grafik-Designerinnen aktiv und erfolgreich gearbeitet, dennoch wurden Frauen bis auf wenige Ausnahmen nicht in die ›offizielle‹ Designgeschichte aufgenommen. Auch heute ist – trotz der Behauptung, die Geschlechterfrage im Grafik-Design sei obsolet – nur ein geringer Prozentsatz der tätigen Gestalterinnen öffentlich sichtbar.

Sind Frauen zu bescheiden und weniger geltungssüchtig als Männer oder werden die Arbeiten von Frauen härter oder ungerechter bewertet? Prof. Dr. Gerda Breuer und Dipl. Des. Julia Meer von der Universität Wuppertal haben sich kritisch mit diesem Phänomen beschäftigt haben. In ihrer aktuellen Publikation «Women in Graphic Design – Frauen und Grafik-Design 1890–2012» versuchen die beiden Wissenschaftlerinnen ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Kritisch wird sich dabei mit den folgenden Fragen auseinandergesetzt:
– Warum gibt es in der Designgeschichte scheinbar so wenige Frauen?
– Warum sprechen immer noch so wenige Frauen auf Konferenzen?
– Warum werden ehemals bekannte Frauen ›vergessen‹?
– Welche Auswirkungen hat die Gender-Debatte auf den heutigen Arbeitsalltag?
– Werden Frauen heute allein aufgrund der Qualität ihrer Arbeiten beurteilt?




Der opulent illustrierte Band zeigt Ursachen wie die konstruierte Synthese von Männlichkeit und künstlerischer Genialität auf und stellt wichtige Gestalterinnen vor. Zahlreiche Kurzbiografien vergegenwärtigen ihre Wege zur Professionalisierung, flankiert von Essays, Quellen und ausführlichen Gesprächen mit bekannten heutigen Designerinnen.

Enthalten sind wissenschaftliche Beiträge von Sabine Bartelsheim, Gerda Breuer, Ute Brüning, Jochen Eisenbrand, Ellen Lupton, Julia Meer, Ada Raev, Bettina Richter, Patrick Rössler, Martha Scotford and Judith Siegmund. Hinzukommen programmatische Schriften von Paula Scher, Sheila Levrant de Bretteville, Natalia Goncharova, Ellen Lupton, Martha Scotford, Véronique Vienne, Astrid Stavro, Alissa Walker etc. und Interviews mit Irma Boom, Paula Scher, Sheila Levrant de Bretteville, Julia Hoffmann, ›Swiss Miss‹ Tina Roth Eisenberg, Katja M. Becker, Anna Berkenbusch, Heike Grebin, Gisela Grosse, Miriam and Nina Lambert, Iris Utikal and Judith Grieshaber.

Women in Graphic Design – Frauen und Grafik-Design 1890–2012
Flexocover
18 x 23 cm
608 S. mit 554 farb. und s/w Abb.
Deutsch/ Englisch
Euro 42,00 SFr 56,80
ISBN 978-3-86859-153-8
Musterseiten: http://www.jovis.de/index.php?idcatside=3481&lang=1