Die Angst vor der Wolke

Diverses · 14. März 2012

Seit gestern ist ein neues Schreckgespenst in Deutschland. Nein, es ist nicht die DSDS Miniplayback Show Neuauflage. Die Rede ist von Spotify. Das ist Musik aus Strom aus dem Internet. Millionenfach und endlos. Verrückt, diese wabernde Damoklesschwert-Datenwolke! Die Angst vor der Wolke ist absolut gerechtfertigt aber weniger gerecht. Google Street View wurde gehetzt, Microsoft’s StreetSide blieb relativ unerwähnt. Vielleicht weil die Milch schon verschüttet war, die Bilder schon im Kasten. Vielleicht auch weil Google den Mythos der Datenkrake wie kein anderer innehält.


Bildquelle: fuckyeahclouds.tumblr.com

Und jetzt kommt Spotify. Schockschwerenot! Der schwedische Musikstreaming-Dienst will unseren Musikgeschmack ausspionieren. Etwas was iTunes oder exakt gleiche Angebote wie Simfy niemals im Sinn hatten. Böse Schweden! Ein Glück, dass die deutsche Presselandschaft Warnungen wie Bonbons verteilt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hebt den Finger, Was mit Medien stellt den Horror offen zur Schau und Meedia fasst kritisch zusammen. Schützt euch, denn was euch da erwartet ist besorgniserregend. Spotify lockt euch in die Facebook-Falle. Ja, ihr müsst einen kostenlosen Facebook-Account haben, um dann das kostenlose Angebot von Spotify zu nutzen. Wenn ihr nicht aufpasst, werden all eure demagogischen Scooter und Barbie Girl Songs auch auf Facebook gepostet. Verpesten die Timeline eurer Freunde, Bekannten oder Komparsen und letztlich lesen ja auch aktuelle und zukünftige Arbeitgeber mit, das ist allen klar. Dann ist aber Schluss mit Marzipan!

Bei Facebook werdet ihr sowieso nur ausspioniert. Und wagt es nicht, Fantasienamen zu wählen oder falsche Angaben zu machen. Das kriegen die raus. Das schafft ihr nicht alleine. Exakte Angaben zu Brust- und Bauchumfang (mit Beweisfotos) sind ebenso unabdinglich wie ein aktueller Bluttest. Alles wird überprüft, alles oxydiert in die Wolke. In Echtzeit mit Google Satellitenbildern. Denn ihr habt keine Ahnung, wie unfassbar interessant ihr doch seid. Wie eine Schneeflocke.

Lasst euch also bloß nicht auf Musikstreaming ein. Besser CDs oder Schallplatten im Geschäft kaufen, mit Bargeld bezahlen, das hinterlässt keine digitale Signatur. So bleibt man unerkannt. Holt euch das Bargeld auch ruhig mal maskiert von einer Bank in einer anderen Stadt und tauscht Banknoten in einem Kiosk in Kleingeld ein. Das zerstreut die Spur noch weiter.

Grooveshark, ein US-amerikanischer Musikstreaming-Datenklau-Hai, hatte seinen Dienst Anfang des Jahres eingestellt, nicht wegen der GEMA, weit gefehlt, nein der wahre Grund ist die jahrelang analysierte gesunde deutsche Skepsis gegenüber neumodischen Teufelszeug. Auf Fernseher und Mikrowellen sind wir reingefallen, okay das war Mist, aber jetzt die Wolke, die ist nunmal über unseren Horizont.